Serie Trockenheit und Ton · Oktober 2026

Risse nach einem trockenen Sommer: warum Tonboden Ihr Haus bewegt

Nach jedem langen, trockenen Sommer bekommen wir mehr Anrufe wegen Rissen in Wänden. Oft liegt die Ursache nicht im Gebäude, sondern darunter: im Ton.

Riss in der Wand eines Hauses auf Tonboden

Ton verhält sich wie ein Schwamm

Tonboden besteht aus sehr feinen Teilchen, die Wasser binden. Trocknet der Boden aus, schrumpft er. Wird er wieder nass, quillt er. Bei stark plastischem Ton kann diese Bewegung etwa ein Zehntel der Dicke der austrocknenden Schicht erreichen. Ein Fundament auf einer solchen Schicht bewegt sich mit.

Wie empfindlich ein Ton ist, zeigt sein Plastizitätsindex: je höher der Index, desto größer das Schrumpf- und Quellrisiko. Ein geotechnisches Labor bestimmt ihn an einer Bodenprobe.

Warum der Schaden ungleichmäßig ist

Ein Haus, das sich gleichmäßig um einige Millimeter setzt, merkt man kaum. Schäden entstehen, wenn sich eine Seite stärker setzt als die andere: zum Beispiel, wenn der Boden an den Rändern austrocknet, unter der Hausmitte aber feucht bleibt, wenn ein Teil des Hauses unterkellert ist oder wenn nur auf einer Seite Bäume stehen.

Typische Anzeichen sind Treppenrisse im Mauerwerk, Risse über Fenstern und Türen, klemmende Türen und Böden, die sich neigen. Die Risse werden im Sommer oft breiter und schließen sich im Winter teilweise wieder.

Wie tief reicht die Trockenheit?

In einem normalen Jahr beeinflussen die Jahreszeiten den Boden bis etwa 1,5 m Tiefe. Darunter bleibt der Wassergehalt ziemlich konstant. Häuser mit Fundamenten auf 60 bis 80 cm, wie viele ältere Häuser, stehen in der Zone, die sich bewegt. Unter einem offenen Kriechkeller kann der Boden noch tiefer austrocknen.

Buildwise weist darauf hin, dass mit der Klimaerwärmung unsicher ist, ob 1,5 m in Zukunft noch ausreichen. Längere, heißere Trockenperioden trocknen den Boden tiefer aus.

Wo in Belgien?

Das höchste Risiko besteht in den alten, stark plastischen Tonen: Boomer Ton (Formation von Boom, um Antwerpen, Boom, Mechelen und im Waasland) und Ypern-Ton (Formation von Kortrijk, in großen Teilen West- und Ostflanderns und Flämisch-Brabants). Jüngere Tone, Lehm und glaukonitischer Sand können ebenfalls schrumpfen, aber das Risiko ist geringer.

Ob unter Ihrem Haus Ton liegt, können Sie in der flämischen DOV-Datenbank (Thema „Plastische gronden“) oder für die Wallonie auf Geoportail prüfen. Eine Drucksondierung vor Ort gibt Gewissheit.

Was können Sie selbst tun?

  • Beobachten Sie Risse mit einem Rissmonitor oder einem datierten Bleistiftstrich, zum Beispiel alle drei Monate.
  • Lassen Sie Abwasser- und Regenwasserleitungen mit einer Kamera prüfen: Ein Leck durchnässt den Boden örtlich und kann die Lage verschlimmern.
  • Halten Sie Bäume und große Sträucher von der Fassade fern (siehe unseren Artikel über Bäume und Ton).
  • Warten Sie nicht, bis Risse breiter als einige Millimeter sind: Je früher Sie handeln, desto begrenzter die Sanierung.

Quellen: Buildwise (Belgisches Forschungsinstitut für das Bauwesen), Cracking in buildings due to shrinking or swelling of plastic soils, WTCB-Dossiers 2021/5.10 und WTCB-Contact 2018/3; M. De Vos, Special problems when building on Tertiary clay, TI-KVIV-Studientag 2004; BRE Digests 240–242, 298 und 412. Dieser Artikel fasst diese Quellen in eigenen Worten zusammen und ersetzt nicht den Rat eines Ingenieurs.